Der Flaming Star Nebula IC 405 im Sternbild Fuhrmann

Fotografie von Julian Zoller
Das Sternbild Auriga (Fuhrmann) gehört zu den großen vier, die den Winterhimmel dominieren: Auriga, Taurus, Orion und Gemini. Jetzt, Anfang Dezember sind wir noch nicht ganz so weit: Wenn wir um 22:00 Uhr Richtung Osten schauen, sehen wir, wie der Himmelsjäger Orion erst noch am Himmel nach oben klettert. Bald jedoch wird er zu dieser Beobachtungszeit bereits den Nachthimmel so sehr dominieren, dass er den Blick jedes späten Abendspaziergängers auf sich zieht.

Himmelsanblick erstellt mit Stellarium

Von den vier großen Sternbildern steht Auriga am nördlichsten. Capella, der hellste Stern des markanten Auriga-Sechsecks, ist sogar zirkumpolar. Das heißt, er geht in unseren Breiten gar nicht unter. Am nächtlichen Sommerhimmel finden wir Capella knapp über den Nordhorizont.

In der Planetariumsansicht ist der Stern AE Aurigae mit einem Kreis markiert. Dieser Stern ist für sich genommen schon sehr interessant. In der Aufnahme von Julian Zoller beeindruckt aber vor allem seine Umgebung. AE Aurigae ist der helle Stern in der Bildmitte, um ihn herum befindet sich ein Nebelgebiet mit der Katalognummer IC 405, das in der englischsprachigen Literatur als Flaming Star Nebula bezeichnet wird.

Der Nebel ist eine Kombination aus Reflexions- und Emissionsnebel. AE Aurigae ist ein bläulicher, sehr heißer Stern der Spektralklasse O. Mit seiner UV-Strahlung ionisiert er das Wasserstoffgas des Nebels. Bei der Rekombination der Elektronen mit den Wasserstoffionen entsteht das für Emissionsnebel charakteristische rote Leuchten bei 656 Nanometer Wellenlänge (die sogenannte H-Alpha-Strahlung).
Dichtere Bereiche des Nebels bestehen aus Staubteilchen. Diese reflektieren das Licht des Sterns und leuchten daher in dessen bläulichen Farbe.

In den späten 1950-ziger Jahren bemerkte der Astronom George Herbig, dass der staubige Emissionsnebel so eigentlich nicht existieren dürfte. Der Stern AE Aurigae sollte den Staub seiner nahen Umgebung längst mit seiner Strahlung erodiert haben. Die gesamte Struktur ist einfach nicht charakteristisch für einen Stern und den Rest der Gas- und Staubwolke, aus der er einst entstand. Die Erklärung ist, dass AE Aurigae ursprünglich gar nicht aus der Region von IC 405 stammt, sondern diese Gas- und Staubwolke durchpflügt.

AE Aurigae ist ein Runaway Star, das heißt, er bewegt sich schnell durch das ihn umgebende interstellare Medium. Im mittleren Infrarotbereich können Astronomen entsprechende Strukturen nachweisen, wie sie ein Körper, der mit hoher Geschwindigkeit durch ein staubiges Gas fliegt, erzeugt.

Die Astronomen vermuten, dass AE Aurigae einst ein gemeinsames Doppelsternsystem mit µ Columbae bildete. Letztgenannter Stern befindet sich im Sternbild Taube (Columba) in 65° Winkelgrad Entfernung zu AE Aurigae! Beide Sterne waren wohl einst Teil eines Sternhaufens im Sternbild Orion.

Die gravitative Wechselwirkung der Sterne in einem jungen Sternhaufen führt dazu, dass einzelne Sterne aus dem System geschleudert werden. Im Falle von Doppelsternen, wie dem System aus AE Aurigae und µ Columbae, bewegen sich dann die beiden Komponenten in entgegengesetzter Richtung mit hoher Geschwindigkeit von dem Ort ihrer Entstehung fort.

Der Flaming Star Nebula IC 405 ist ein schwieriges Objekt für die visuelle Beobachtung. Entdeckt wurde er daher im Jahre 1892 fotografisch von dem amerikanischen Astronomen Johann Schaeberle und sechs Monate später von Max Wolf in Heidelberg. Beide Astronomen waren Pioniere der Astrofotografie.

Für die Aufnahme oben verwendete Julian Zoller eine Canon EOS 700 Da an einem 200/1200 Newton-Teleskop. Die gesamte Belichtungszeit beträgt knapp 8 Stunden. Es dürfte interessant sein, diese Aufnahme gut aufzubewahren und in ein paar Jahrzehnten mit einer neuen zu vergleichen. Der Nebel wird auf die Anwesenheit des Sterns sichtlich reagiert haben, während dieser seinen Weg durch die Region IC 405 fortsetzt.

Die Namen der Sterne



Sterne haben viele Namen: Immer wenn eine Bestandsaufnahmen des Himmels, Durchmusterung genannt, gemacht wird, kommt ein Sternkatalog dazu und somit ein weiterer Name für jeden betroffenen Stern. Das war schon früher so und hat sich bis heute nicht geändert: Astronomen, die mit Weltraumteleskopen wie Hubble, Kepler oder Gaia arbeiten, erstellen Objektkataloge nach einer jeweils eigenen Struktur und Bezeichnungslogik. Im Zeitalter der Computertechnik und Datenbanken ist das auch kein allzu großes Problem.
Hier als Beispiel der Wikipedia-Eintrag für den Stern Betelgeuse. Dies sind alles mögliche Bezeichnungen für diesen Stern (und doch nur eine Auswahl):
  • Bayer-Bezeichnung     α Orionis
  • Flamsteed-Bezeichnung     58 Orionis
  • Bonner Durchmusterung     BD +7° 1055
  • Bright-Star-Katalog     HR 2061
  • Henry-Draper-Katalog     HD 39801
  • Hipparcos-Katalog     HIP 27989
  • SAO-Katalog     SAO 113271Tycho-Katalog     TYC 129-1873-1
  • Weitere Bezeichnungen     ADS 4506
 Betelgeuse ist aber auch ein Stern, der einen Eigennamen hat, eben Betelgeuse. Dieser Stern hat nämlich gewissermaßen eine kulturelle Bedeutung. Er ist ein Teil des Himmels, den jeder an der Natur interessierte Mensch kennen und bennenen sollte. In einem Zeitalter, in der kleine Teleskope für jedermann erschwinglich sind, sind auch die Eigennamen von nicht ganz so hellen Sternen wie Betelgeuse oft im Gebrauch.

Die International Astronomical Union hat daher nun Empfehlungen für die Eigennamen und deren Schreibweise für 227 Sterne herausgegeben. So heißt nun nach IAU der Stern Alpha Orionis wirklich Betelgeuse und nicht, wie die deutsche Wikipedia meint Beteigeuze.

Die IAU verhindert nicht zum ersten Mal auf diese Art und Weise den drohenden Wildwuchs bei der Bennenung der Himmelsobjekte. Das bedeutendste Projekt dieser Art ist sicherlich die Festlegung der 88 Sternbilder und ihre Grenzen. Aber auch die Körper unseres Sonnensystems und ihre Merkmale, wie Krater und Berge, werden von der IAU offiziell benannt.

Auf dieser Seite findet sich die Tabelle mit den 227 benannten Sternen: Naming Stars. Ironischerweise muss man für solch eine Tabelle auch wieder auf einen Sternkatalog zurückgreifen. Hiefür benutzt die IAU das von Johann Bayer (1572-1625) entwickelte Schema, das für hellere Sterne sicherlich das schlauste Bennenungssystem ist, denn die Bayer-Bezeichnung eines Sterns beinhaltet den Namen des Sternbilds und eine relative Angabe der Helligkeit des Sterns - außerdem klingt es cool: Alpha Centauri, Gamma Andromedae, etc.
Das Bild oben zeigt das Sternbild Orion, dargestellt im Atlas Unranometria von Johann Bayer. Belegeuse ist der mit Alpha bezeichnete Stern in der linken Schulter des Himmelsjägers Orion.

Übrigens gibt es neben der kulturellen Bedeutung des Naturphänomens Nachthimmel noch einen anderen Grund, den Sternen definierte Eigennamen zu geben: Mit dem Fortschreiten der Wissenschaft erkennen wir, dass viele bekannte Sterne potenzielle Heimatsonden fremder Planetenwelten sind. Diese Welten haben richtige Namen verdient. So heißt der Stern, um den man zum ersten Mal einen fremden Planeten fand nach seiner Katalognummer ganz unprosaisch 51 Pegasi. Nach der IAU wird der Stern nun Helvetios genannt, denn schließlich waren die Entdecker des Exoplaneten um 51 Pegasi Schweizer. Der Exoplanet 51 Pegasi b selbst heißt Dimidium. Eine Liste von 31 benannten Exoplaneten findet man hier.

Siehe auch den Sky&Telescope-Artikel IAU Standardizes 212 Traditional Star Names